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Hey Du!

Hey Du! Ja, DU! Wer denn sonst?

DU!
Vorname. Nachname.
Titel unwichtig. Handynummer unnötig. Der dich erreichen will, braucht kein Smartphone. Der Anruf kommt auch so an. Wenn du willst.
Dummerweise gibt es keine Taste 'Hörer abnehmen' oder ähnliches. Und die Frequenz musst du dir auch selber suchen: Kann ein Spaziergang sein. Ein Gespräch. Ein Buch. Ein Besuch in einer Kirche. Er ist da sehr kreativ und nicht besonders wählerisch!

In der Bibel hat es seine Jünger auf ganz unterschiedliche Weise erwischt. (Smartphones und Facebook gab’s ja noch nicht!) Der eine stand unter’m Feigenbaum. Er hatte Jesus gar nicht gesehen. Machte aber nichts. Jesus hatte ihn gesehen. Das war genug. Und er folgte ihm.
Die nächsten waren zwar vielleicht gar nicht die nächsten, aber jedenfalls waren sie zu zweit.
(So ganz genau ist nicht geklärt, wer zuerst da war. Ist auch nicht wirklich wichtig.) Jesus ging an ihnen vorbei. Und der dritte sagte: Hier, schaut euch den an! Da haben sie nicht nur geschaut, sondern sind schnurstracks hinterhergelaufen. Sahen, wo er wohnte. Blieben bei ihm. (Haben allerdings später öfters dumm geschaut …!)
Andere hat er von ihren Booten weggeholt: Hey du, das war’s jetzt. Ab jetzt machst du was anderes. Und sie haben es mit sich machen lassen. (Noch zwei Follower mehr ...)

Und der, an den ich grade denke – von dem wissen wir gar nicht, wie er dazukam. Jedenfalls war er dabei. Normalerweise. Aber einmal, da war er nicht dabei. OK, mehr als einmal. Hatte die Hosen voll und ist ausgerissen. Bei der Kreuzigung Jesu. Er kam zwar zurück – hinterher!
Doch als es drauf ankam, da war er wieder nicht da: als Jesus seinen Jüngern erschien, um ihnen zu zeigen, dass er lebte. Da war Thomas wieder nicht da. Aber er wollte Beweise:
Wenn ich nicht mit eigenen Augen sehe und ihn nicht berühre, glaube ich nicht.

Thomas hat Glück. Jesus kommt noch einmal und lässt sich sehen, berühren.
Aber er schiebt hinterher: "Selig sind, die nicht sehen und doch glauben." 1
Pech für dich, Thomas. Glück für uns andere.

Er hat nicht nur den Thomas erwischt. Mich auch.
MICH! Vorname. Nachname. Titel unwichtig. Handynummer auch.
Mich hat er erreicht. Und viele andere genauso. UNS. Nun gehen wir zusammen.
Allerdings können wir es uns nicht leisten, zu sagen: "Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege" – sprich: wenn ich nicht handfeste Beweise für die Gegenwart Gottes in der Welt und für sein Wirken bekomme! – dann "glaube ich nicht!" 2
Nein. Es ist uns aufgetragen, in der Vorläufigkeit des Glaubens, unter den Bedingungen der Welt, in der Nicht-Greifbarkeit Gottes dennoch Ihm einen Platz offenzuhalten. Im Verborgenen mit ihm und auf ihn hin unterwegs zu sein. Wir können es uns nicht leisten, uns in 'Frömmigkeitswinkel' zu verkriechen, die Herausforderungen der modernen Welt links liegen zu lassen.

WIR, das sind die Mitglieder von Weltgemeinschaften, der Säkularinstitute. Aber im Grunde auch jede/r, der als ChristIn in der Welt von heute leben will.
"Selig sind, die nicht sehen und doch glauben."

Ich möchte dieses Wort kurzerhand einmal 'umdrehen', es umdeuten auf die Mitglieder solcher Gemeinschaften, auf Christen von heute, auf uns hin: wir sind diejenigen, die nicht gesehen werden und doch glauben …
Äußerlich unterscheiden sich Mitglieder von Säkularinstituten nicht von anderen Christen – und diese sich nicht (oder nicht auf den ersten Blick) von Nichtgläubigen. Jesus spricht in diesem Zusammenhang vom Sauerteig: Unsichtbar, ja ununterscheidbar von der Umgebung.
Und doch 'anders'. Vor allem: die Welt mit Glauben 'durchdringend' wie der Sauerteig das Mehl.
Aus beiden wird etwas Neues: aus Sauerteig und Mehl wird Brot.
Und aus Glaubenden inmitten unserer säkularen Welt? Daraus wird – vielleicht! – eine 'Berührbarkeit' Gottes, gleichsam ‚in den Händen‘ (und bisweilen auch den 'Wunden' …!) derer, die ihn zu verkündigen und durch ihr Leben zu bezeugen versuchen.

Gelegentliche Anfälle von Zweifel, wie bei Thomas, sind da wohl vorprogrammiert:
Bin ich gut genug dafür? Werde ich durchhalten? Wird es mir gelingen… ?
Wir sollten sie nicht vorzeitig 'wegschubsen', diese Zweifel, sondern zulassen. Als notwendige Verunsicherung. Als Anlass zum Innehalten. Als Aufforderung, einen Schritt zurückzutreten aus dem Aktionismus der Gottesverkündiger.

Dieser Jesusjünger namens Thomas konfrontiert uns darüber hinaus auch mit seinen (oder auch unseren?) Zweifeln an der 'Echtheit' Jesu:
Ist er es wirklich? Oder machen sich die Jünger, mache ich mir etwas vor?
Bei Licht besehen ist das bisweilen halt gar nicht so einfach mit dem Glauben …!
Das ist nicht nur ein 'Funke ins theologische Pulverfass', sondern gerade heute eine (manchmal schmerzhafte!) Herausforderung. Kirche in unseren Breitengraden hat manches abgeben müssen: nicht nur diverse Betätigungsfelder, sondern auch viel gesellschaftlichen Einfluss und die Definitionshoheit über moralische Normen. Und der Einzelne die (scheinbare) Selbstverständlichkeit des Glauben-Könnens.
Doch genau in der Krise steckt auch die Chance. Das Wort vom Salz und vom Sauerteig gilt allen Christen, und es beschreibt eine andere Art von Leben, eine andere Art von 'missionarischer Kirche'. "Salz" und "Sauerteig", das bedeutet: Gott zu verkünden durch die Art, wie wir leben. Ihn gegenwärtig sein zu lassen in uns.
Mehr noch als unsere Taten zählt dabei unsere Verbundenheit mit Gott, die das ganze Leben zum 'Zeichen' macht.
Die jeden und alles, was uns begegnet, einschließt in die Beziehung zu diesem Gott.

In diesem Sinne: "Selig, die nicht gesehen werden und doch glauben."
Du. Ich. Wir.
An Ihn.


1)  Johannesevangelium 20,29b                   2)   Johannesevangelium 20,25