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'Capacitar' mit einer Kinder- und Jugendgruppe

„Capacitar“

„Sich selbst und unsere Gesellschaft heilen“

Was diese Kinderaugen wohl schon an Schrecklichem gesehen haben? Capacitar - "sich selbst und unsere Gesellschaft heilen" Die meisten Übungen kann man alleine machen, nur für einige braucht es einen Partner. 3-tägige Fortbildung für LehrerInnen Fortbildung für Ordensschwestern Im Ernährungszentrum Birere machen die Kinder bei den Übungen begeistert mit. Das Team der Fortbildungen Die TeilnehmerInnen der Fortbildungen werden vermitteln, was sie selbst erprobt und geübt haben. Für die TeilnehmerInnen des Fortbildungskurses, darunter auch Mitglieder des Instituts, gibt es am Ende ein Zertifikat. Capacitar kann wirklich Jede(r)!

Die aktuelle Lebenssituation in der Region Nord-Kivu / DR Kongo im Allgemeinen und insbesondere in der Stadt Goma ist gekennzeichnet durch einen sehr hohes Stressniveau sowie einer großen Gewaltbereitschaft aller Bevölkerungsschichten, verursacht durch die Kriege und die damit verbundenen Grausamkeiten der letzten zwei Jahrzehnte. Der einfache und unkomplizierte Zugang zu Waffen führt dazu, dass auch persönliche Konflikte durch exzessive Gewaltakte ‚gelöst‘ werden – bis hin zu Mordversuchen durch Jugendliche und Selbstjustiz durch verzweifelte, undisziplinierte Bürger. Es gibt praktisch keine Gerichtsbarkeit mehr und die politischen Verwaltungsbehörden sind mehr oder weniger funktionsunfähig, was exzessive Korruption auf allen Ebenen der Gesellschaft und eine große Unsicherheitslage in der Region sowie das Bandenwesen fördert.

Die Bewohner der Stadt Goma wie auch die unzähligen Flüchtlinge aus dem Landesinneren in den Auffanglagern am Stadtrand von Goma sind zu einem großen Prozentsatz nicht mehr sie selbst. Dies gilt insbesondere für die Jugendlichen, die mit vielen inneren Verwundungen leben und überleben müssen oder schon straffällig geworden sind und ohne Perspektive im Gefängnis sitzen.

Wege aus der Krise

Diese Analyse unseres Kontextes hat uns dazu herausgefordert, nach Wegen zu suchen, wie wir diesen Menschen helfen können. Dabei sind wir auf den Therapieansatz von ‚Capacitar‘ gestoßen: ein nationales und internationales Solidaritäts-Netzwerk mit Hauptsitz in Kalifornien/USA, gegründet als gemeinnützige Organisation im Jahr 1988.

Capacitar wendet sich besonders an Einzelpersonen, Familien und lokale Gemeinschaften, die beeinträchtigt werden von Armut, Gewalt und Traumata. Es will ihnen Möglichkeiten anbieten, sich selbst zu heilen, ihr Leben und auch das der jeweiligen Gesellschaft zu verändern. In den Fortbildungen von Capacitar erlernen die TeilnehmerInnen einfache, ganzheitliche Heilpraktiken, die effizient und ungefährlich sind und gesundheitliche wie auch psychische Heilungsprozesse fördern.

Erste Anfänge in Goma

So haben wir bereits 2013 begonnen, diesen integralen Therapieansatz von Capacitar in der Region bekannt zu machen und in vielen Veranstaltungen bestimmten Moderatorengruppen (Psychologen, Krankenpfleger, Sozialarbeiter, Lehrer, Priester, Schwestern,  Mitarbeiter im Pastoraldienst etc.) zu vermitteln, damit diese die Therapiemethode und ihre praktischen Übungen wiederum in ihren Arbeitsbereichen anwenden können. So hoffen wir, auf lange Sicht indirekt alle Bevölkerungsschichten der Nord-Kivu Region erreichen zu können.

‚Capacitar‘ im Ernährungszentrum Birere

In die Arbeit unseres Ernährungszentrums im Armenviertel von Birere wurden die Maßnahmen von ‚Capacitar‘ bereits integriert. Dort machen wir mit den milieugeschädigten und lernbehinderten Kindern des Viertels zweimal wöchentlich 30 bis 40 Minuten lang die Übungen. Wir gestalten es wie eine Spiel- und Sportrunde, was von den Kindern mit viel Freude und Begeisterung angenommen wird! Die Übungen helfen den Kindern, Spannungen und Traumata abzubauen und mehr Energie zu entwickeln bzw. sich besser zu konzentriere, was sich u.a. in einer verbesserten Lernleistung im schulischen Bereich niederschlägt. Auch mit den Aidskranken und dem Personal des Zentrums sowie den Krankenbegleitern haben wir gearbeitet und die Beobachtungen reflektiert, die sie in der Anwendung von Capacitar gemacht haben.

Die Handlungsstrategie des Projektes

Die Sensibilisierung wurde auch ausgeweitet auf einige andere kirchliche und private Organisationen und Institutionen der Stadt. Es fanden sogenannte ‚Task Days‘ statt, die den TeilnehmerInnen einen Vorgeschmack  auf die eigentliche Fortbildung vermitteln und sie für die Weiterbildung motivieren sollen. Daran schlossen sich mehrtägige Fortbildungskurse an, aus deren Teilnehmerkreis bereits weitere gut motivierte Anleiter für Capacitar kommen. Sie könnten in Zukunft die Gründungsmitglieder eines lokalen Hilfsnetzwerkes von „Capacitar Nord-Kivu“ werden, damit die Menschen dieser Region sich wieder mehr ihrer Menschlichkeit und Menschwürde bewusst werden.

Parallel läuft auch eine Praxisanleitung der geschulten Anleiter in ihren Arbeitsbereichen, um zu sehen, wie das erlernte Wissen umgesetzt werden konnte und um die beobachteten Auswirkungen auswerten zu können. Diese könnten wiederum in die Planung eines eventuell zweiten Fortbildungszyklus von 3 Modulen für eine noch qualifiziertere Ausbildung der Anleiter einfließen.

Hilfe zur Selbsthilfe

Uns ist bewusst, dass dieses Bemühen nur eine Antwort von vielen sein kann, die es in Zukunft zu finden gilt, damit die Menschen in der Nord-Kivu Region nicht für immer durch Traumata, Stress, Armut, Depression und Resignation entmenschlicht und zerstört werden. ‚Capacitar‘ bietet aber durch seinen niederschwelligen Ansatz die Chance, breite Bevölkerungsschichten zu erreichen und durch den persönlichen Heilungsprozess, auf den sich die Einzelnen einlassen, zugleich den gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Kontext ihres Lebens zu verändern.

Aber noch liegt ein weiter Weg vor uns – helfen Sie uns durch Ihre Spende, den Menschen in Nord-Kivu zu helfen!