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Lebenszeugnis Marie-Concilie U.

Marie-Concilie U. (*1966)

„Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.“ (Matthäusevangelium 9,12)

Nitwa Marie Concilie, ndi imfura mu bana b'iwacu, ababyeyi banjye ni abakristu gatolika.   Ich heiße Marie Concilie und bin die älteste Tochter eines Ehepaars praktizierender Katholiken. Nach mir wurden noch drei Jungen und fünf Mädchen geboren.
Die Primarschule, die ich besucht habe, wurde von Schwestern geleitet. Ihre Liebe und ihre Aufmerksamkeit für jeden Schüler hat mich immer berührt und beeindruckt – ob reich oder arm, wir wurden alle gleichberechtigt behandelt.

Ein traumatisches Erlebnis ...
Im 5. Jahr der Primarschule wurde ich krank und musste mich im Krankenhaus behandeln lassen. Als Zehnjährige hätte ich dabei von meinen Eltern begleitet werden müssen, aber so war es nicht. Vater suchte überall, wie er den Lebensunterhalt für uns verdienen könnte, und Mutter kümmerte sich um meine kleinen Brüder. Weil wir dicht nacheinander geboren wurden, musste sie sich immer gleichzeitig um drei kleine Kinder kümmern, da es sonst niemanden gab, der auf sie aufpassen konnte.
Das war der Grund, warum ich als Älteste der Geschwister schon in vielen Dingen als Erwachsene betrachtet wurde und deshalb ohne Begleitung ins Krankenhaus gehen musste, was im Hinblick auf die Arbeitsweise unserer Gesundheitszentren nicht einfach war. Damals wurde dort die Reihenfolge der Ankunft nicht berücksichtigt. Es gab ständig Leute, die vom Personal bevorzugt wurden (Reiche, wichtige Persönlichkeiten, Freunde, Verwandte …) Und ich, weinend vor Elend, Erschöpfung und Hunger, sagte mir: Wenn meine Eltern mich begleitet hätten, wäre ich im Krankenhaus schon aufgenommen!

... als Beginn meiner Berufung?!
Da kam mir plötzlich ein Bibelzitat in den Sinn, das ich mochte, ohne es wirklich zu verstehen: „Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.“
Und ich sagte mir: Ja, Jesus kann das tun – aber er ist im Himmel; wie kann er uns also zu Hilfe kommen? Und so fing ich an, in meinem Herzen den Wunsch zu verspüren, Krankenschwester zu werden und alle Menschen ohne Ausnahme in Liebe aufzunehmen. In allen Abschnitten meines Lebens, die danach kamen, kam dieser Wunsch immer wieder zurück. Als ich erfuhr, dass es bei den Gottgeweihten auch Krankenschwestern gebe, schien mir das der Weg zu sein. Eine Gottgeweihte zu werden, um die Armen und Kleinen lieben und ihnen dienen zu können, ein ganzes Leben lang und ohne Einschränkungen. Ich begann, an Gebetsgruppen teilzunehmen – nur um Gott zu bitten, meinen Wunsch zu erhören.

Ein Hindernis kommt selten allein
Dann war der Moment gekommen, sich zu entscheiden. Ich war sehr ängstlich, ich wusste nicht, wie ich es meinen Eltern sagen sollte, und nicht nur das: eine älteste Tochter, die nicht heiratete, um den Eltern zu ermöglichen, eine Aussteuer zu erhalten – das wurde als ein Versagen der Familie betrachtet. Außerdem haben die Freunde und Freundinnen mich entmutigt, und andere Leute, die mir sagten, dass man in den Gemeinschaften keine Erstgeborenen aufnehme – genau deshalb, weil das so viele Konflikte zwischen ihnen und den Eltern hervorrief. Ich war völlig verwirrt. Und je weniger ich wusste, wie ich es sagen sollte, um so mehr lief ich überall hin zu den Gebetszeiten.
Meine Mutter hat aufmerksam verfolgt, wie all die jungen Männer ständig und ernsthaft um meine Hand anhielten, und ich niemals mein Einverständnis gab. Also bat sie mich eines Tages, mich hinzusetzen, und sagte mir, ich sollte das tun, was mein Wunsch sei, ohne Angst zu haben.
Andere Hindernisse taten sich auf. Ich habe die staatlichen Prüfungen nicht bestanden; und damit konnte ich nicht die Sekundarschule besuchen. Viele Gemeinschaften verlangten aber den Abschluss der höheren Schule, bevor man dort aufgenommen werden konnte.
Eines schönen Morgens stand meine Mutter auf, ohne mir ein Wort zu sagen, und brach auf, um eine Tante, die Ordensschwester war, um Rat zu fragen. Als sie zurückkam, tröstete sie mich und sagte mir, wie ich es anstellen sollte, dennoch mein Ziel zu erreichen: mit einer Ausbildung in einer Haushaltsschule.
Aber während ich diese Kurse besuchte, ist die Idee, ein gottgeweihtes Leben zu führen, ganz aus meinem Herzen und meinem Kopf verschwunden. Ich wollte nicht mehr zu dem Priester gehen, der mich begleitet hatte, aber ich nahm immer noch an Gebetszeiten teil, ohne besonderes Anliegen.

Sich Verstecken nützt auch nichts
„Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.“
Eines Sonntags wurde am Ende der Messe eine Mitteilung verlesen: ein Kranker, dem es sehr schlecht ging, brauchte dringend eine Blutspende. Mit meinen Freundinnen beschloss ich, ihm sofort Blut spenden zu gehen. Als wir aber im Krankenhaus ankamen, hatte man schon eine andere Lösung gefunden. Auf dem Rückweg sah ich das Auto des Priesters, der mich begleitete. Ich habe mich versteckt, aber er hatte mich schon gesehen, hielt das Auto an und lud mich ein, ihn am nächsten Morgen zu besuchen. Dieses Treffen hat meinen früheren Wunsch wieder lebendig werden lassen; die Angelegenheit wurde ernster, und schließlich habe ich das Institut St. Bonifatius gefunden, dessen Charisma meinen Idealen entsprach, die Armen zu lieben und ihnen in ihren konkreten Anliegen zu helfen.
Ich hatte bis dahin allerdings nur eine Broschüre über diese Gemeinschaft gelesen, sie aber noch nie gesehen oder besucht. Nach all dem Briefverkehr wurde ich für einige Tage in die Gemeinschaft eingeladen. Ich kam dort an, und wer öffnete mir die Tür? Eine „Umuzungu“, eine Europäerin! Ich bekam den Schock meines Lebens! In meinem Herzen fragte ich mich, wie ich denn ein ganzes Leben bei ihnen verbringen sollte, wenn ich außer meiner Muttersprache keine andere Sprache konnte!
Aber ich habe mich entschieden, den Weg zu beginnen – ich war 19 Jahre alt.

Ich bin eingetreten, ich bin geblieben – und ich bleibe.
Und warum bleibe ich?
  • Weil ich dort Den gefunden habe, den ich suchte – oder vielmehr Den, der nie aufgehört hat, mich zu suchen: Gott!
  • weil es schön ist, zusammen zu leben in der Verschiedenheit der Kulturen, Sprachen, Rassen, ohne sich ausgesucht zu haben.
  • weil die Armen jeder Art dort auf genommen und ihnen gedient wird,
  • weil ich glaube, dass es möglich ist – und ich sehe, dass es schön ist – in der Welt und für die Welt zu leben, ohne von der Welt zu sein, wie die Hefe im Teig, wie das Salz in der Nahrung, wie das Licht in der Finsternis,
  • weil ihre Art, zu beten und zu arbeiten mich froh und glücklich macht,
  • weil ich dort meinen Platz gefunden habe,
  • weil, weil, weil …

Ganz anders als gedacht
Zum guten Schluss bin ich dann doch nicht Krankenschwester geworden, wie ich dachte; zwischenzeitlich habe ich entdeckt, dass das nicht meine Begabung ist. Aber ich bin glücklich, überall da, wo er mich in den verschiedenen Diensten unserer Gemeinschaft braucht, ein Instrument Gottes zu sein; denn bei uns ist „alles zur größeren Ehre Gottes.“
Höhen und Tiefen, Zweifel und Entmutigungen haben nicht gefehlt, aber in den Momenten der Dunkelheit und der Krisen hat mich ein Wort immer wieder aufgebaut, ermutigt und gestärkt: „Herr, du hast mich verführt und ich habe mich verführen lassen, du hast mich überwältigt, du warst der Stärkste, du warst der Stärkste.“

Ich bin eingetreten, ich bin geblieben, und ich bleibe.
Und was bedeutet mir heute das Wort von den Kranken, mit dem meine Berufung begonnen hat?
Wir werden sehen …


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