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    "willst leben, musst weben" - interaktiver Webrahmen von Christa Fuhrmann

    "willst leben, musst weben" - interaktiver Webrahmen von Christa Fuhrmann

    Anleitung zum Weben

    Sie sind herzlich eingeladen, hier am großen "Teppich des Lebens" im Garten der Stille mitzuweben! Material dafür, z.B. Stoffstreifen, Webnadeln mit Wolle und eine Schere finden sich im Schränkchen neben dem Webrahmen. Und so wird’s gemacht:

    1. Gewebe mit den zwei schwarzen Gurten unten vorsichtig und gleichmäßig straffziehen
    2. „Gatterkamm“ oben am Webstuhl mit einer Hand so nach vorne oder hinten schieben & festhalten, dass sich die senkrechten Kettfäden über dem zuletzt gewebten Schussfaden überkreuzen
    3. Mit der anderen Hand Webnadel oder Stoffstreifen ganz oder nur auf einem Teil der Bahnbreite durch den entstandenen Zwischenraum führen (am leichtesten geht das direkt unter dem "Gatterkamm", da dort der Abstand zwischen den beiden Fadenebenen am größten ist).
    4. Faden oder Stoffstreifen mit etwas ‚Luft‘ am Rand und nach oben locker im Gewebe liegen lassen, dann mit dem kleinen schwarzen Kamm kräftig und gleichmäßig nach unten andrücken
    5. „Gatterkamm“ oben am Webstuhl in die andere Richtung schieben und festhalten, so dass sich die senkrechten Kettfäden wieder über dem zuletzt gewebten Schussfaden überkreuzen
    6. Schritt 3-5 beliebig oft wiederholen. Es kann auch selbst mitgebrachtes Material oder Naturmaterialien aus dem Wald (aber bitte keine Blumen aus den Beeten!) eingewebt werden
    7. Nach dem Weben die beiden schwarzen Gurte unten durch leichtes Drücken auf den Hebel der Metallösen etwas lösen, so dass keine Spannung mehr auf dem Gewebe ist
    8. Nicht verwendetes Material wieder in den Materialschrank zurückräumen und Türe gut schließen.

    Viel Freude beim Weben!

    Kunst...

    Christa Fuhrmann schreibt über ihre Installation:

    Mein künstlerischer Leitfaden ist das Textile. Ich erzähle mit meinen Arbeiten von meinen Ideen und Erfahrungen. Eine meiner Arbeitstechniken ist das Weben. Hier sehe ich zunächst das Ergebnis von Planung und Ordnung, aber dann müssen meine Hände, meine Gedanken auch wieder loslassen können, dem Zufall Raum geben und neue Entscheidungen treffen. Hier werden meine Gedanken zu Fadengängen ...

    Im „Garten der Stille" habe ich eine stark vereinfachte Form eines Webrahmens aufgebaut. Die beiden senkrecht stehenden Seitenstämme sind durch Queräste miteinander verbunden, an denen der „Kettbaum" angebracht ist. Mehrere Meter Leinengarn sind darauf gewickelt und bestimmen die Breite und die Grundstruktur des Gewebes.

    Die Gäste des Gartens sind eingeladen, mit verschiedenen Garnen, in Streifen gerissenen oder geschnittenen Stoffen oder gefundenen Naturmaterialien die Kettfäden miteinander zu verbinden, ihre eigenen Ideen und Gedanken einzuarbeiten. So wird durch diese „Schussfäden" jeweils ein individuelles Stück Bild gewebt. Schon durch den Auswahlprozess erhält dieses Material auch eine subjektive Bedeutung: Jede Person nimmt durch ihre Sinne die Welt aus ihrer persönlichen Perspektive wahr und kann entsprechend auswählen, oder auch durch selbst mitgebrachtes Material, das eventuell eine besondere Bedeutung für ihn oder sie hat, die persönliche Geschichte mit hineinweben. Durch das Einbringen des Materials in das Gewebe ermöglichen die Gäste auch anderen Menschen, an dieser Wahrnehmung teilzuhaben. Jede Weberin, jeder Weber wirkt so mit an dem Gemeinschaftswerk.

    Es entsteht ein Läufer, der nicht wie sonst üblich aufgewickelt wird, sondern vom Webrahmen aus weiterwandert in den Wald hinein, auf dem Boden immer länger wird. Es fällt Laub darauf, Gräser und Kräuter wachsen durch. Die Organismen des Waldes zersetzen ihn wieder in seine einzelnen Bestandteile und so geht er in den natürlichen Kreislauf des Lebens ein. „Endlichkeit" ist bewusst eingeplant in den Webprozess.

    Der Webrahmen von Christa Fuhrmann am Wegrand

    ... und Bibel

    „Er ist nicht ferne von einem jglichen vnter vns / Denn in jm leben / weben / vnd sind wir." (aus der Lutherbibel von 1545; Apg 17,28)1

    In Gott leben... eigentlich eine ganz schön steile Ansage für uns kleine Menschenwesen. Aber tatsächlich: als Glaubende dürfen wir das für möglich halten. In Gott sein – ebenso. Aber was mag Martin Luther bewogen haben, in seiner Bibelübersetzung – hier im frühneuhochdeutschen Originaltext zitiert – das „Weben" mit hineinzuschreiben? Die abschließende Klärung dieser Frage (so es die denn gibt!) können wir getrost den Bibelwissenschaftler*innen überlassen. Aber nachdenken darüber, was er gemeint haben könnte, ein wenig spekulieren, unsere Gedanken und Assoziationen spielen lassen – das können auch wir, während wir die Webenadel durch das Fadenfach schieben und unser eigenes kleines Stück dazuweben.

    Wie geht es uns denn, uns Menschenwesen? Wir sind 'eingespannt' in den Rahmen unseres Lebens, in ganz viel Vorgegebenes, das unseren Gestaltungsspielraum definiert und begrenzt. Auch die 'Grundfarben' unseres Lebens haben wir nicht selbst in der Hand: Schönes und Schweres geschieht uns, Zeiten des Glücks können enden, Schicksalsschläge werfen uns vielleicht so sehr aus der Bahn, dass das Gewebe unseres Lebens Risse, ja Löcher bekommt... Und dennoch: es bleibt immer ein Gestaltungsspielraum. Das, was wir 'einweben'. Die 'Farben', die wir unserem Leben geben, je nachdem, aus welchem Blickwinkel wir es betrachten: die hellen und leuchtenden der Dankbarkeit – oder die dunklen und groben von Kummer und Groll. Da gibt es auch 'Materialien': Begabungen, aus denen wir etwas machen können. Und da gibt es die Menschen, deren Leben mit unserem verwoben ist.

    So 'weben' wir unser Lebensmuster – und sehen doch immer (nur?) die Rückseite. Vielleicht gefällt sie uns ja. Vielleicht aber auch nicht... Zugleich aber sind wir Teil eines größeren Ganzen, eingewebt in Jahrtausende, ja Jahrmillionen von Vergangenheit. Teil unserer Gegenwart, die ebenfalls so viel größer ist als das, was wir selbst von ihr erleben. Und was die Zukunft bringt? Wer weiß...

    Das ganz große Muster und den fertigen 'Gobelin', in dem alle Farben und Materialien, jedes einzelne Leben, seine Ereignisse und sein Sinn, Erde und Kosmos verwoben sein werden: den sehen wir – so glauben und hoffen wir – bei Gott in der Ewigkeit. Und dann werden wir in Ihm leben. Und für immer sein.


    1 Quelle: http://www.zeno.org - Henricus - Edition Deutsche Klassik GmbH; Permalink: http://www.zeno.org/nid/20005331277; Lizenz: Gemeinfrei
    Martin Luther: Die gantze Heilige Schrifft Deudsch. 2 Bände, München 1972.