KreuzWeg II
I
1. Station: Pilatus verurteilt Jesus zum Tode. (Lk 23)
Was Wahrheit sei, das ist die Frage: Damals. Heute. Immer.
Fake News und „alternative Fakten“ lassen Unschuldige leiden,
und Mächtige waschen
ihre Hände in Unschuld und die Verantwortung nicht ab.
Wir werden, wir sind, was wir tun.
Und wer will ich sein?
II
2. Station: Jesus nimmt das Kreuz auf sich (Joh 19,17)
Wehrlos. Es gibt nur noch einen Weg.
Nichts anderes bleibt Ihm übrig – und manchmal auch uns.
Schicksalsschläge. Krankheit. Gewalt. Krieg. Das Unausweichliche.
Wenn alles ausweglos scheint,
dürfen wir Ihn bitten um die Kraft, standzuhalten wie Er.
Und Er wird uns hören.
III
3. Station: Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz.
Lasten tragen ... Leidenswege gehen ...
das geht niemals glatt.
Eine Kleinigkeit genügt, und wir geraten aus dem Tritt.
Straucheln. Fallen.
Werden dennoch aufgefangen.
Selbst noch ganz unten. Von Ihm.
IV
4. Station: Jesus begegnet seiner Mutter
Liebe, die mitgeht.
Liebe, die nicht festhält und doch Halt gibt.
Die nicht ändern kann, aber da ist: einfach nur da.
Die Nähe schenkt. Und: Trost, wo niemand trösten kann.
Ein einziger, letzter, zärtlicher Blick
wird Kraft für den Weg.
V
5. Station: Simon von Kyrene hilft Jesus das Kreuz tragen (Mt 27,32)
Begegnung unter der Last.
Einer der mitträgt. Gefährte in der Not.
Ein wenig zögernd, ängstlich, widerstrebend vielleicht
schultern auch wir die Lasten der Andern.
So sind auch wir auf Jesu Weg.
VI
6. Station: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch
Nicht wegschauen.
Die Not sehen, die Andere vielleicht nicht sehen wollen. Und:
Das Kleine tun, das man tun kann.
Einfach so. Ohne nachzudenken.
Und dankbar spüren: auch ich bin gesehen.
Sein Blick ruht auf mir. Und bleibt.
VII
7. Station: Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz
Die Last drückt, und Er fällt:
unter der Wucht seiner Liebe,
unter der Bürde all derer, die Er aufrichten wollte,
für die und mit denen Er diesen Weg geht
damals wie heute:
um ihre, um unsere Last zu erleichtern.
VIII
8. Station: Jesus begegnet den weinenden Frauen (Lk 23,27ff.)
„Weint nicht über mich; weint vielmehr über euch und eure Kinder!"1
Aber auch um die Hoffnung, die Er war, trauert eine Mutter:
eine von zu vielen in Jahrhunderten voller Kriege und Gewalt.
Doch gerade aus Tränen wächst das Mitleid:
denen zu helfen, deren Tränen zu trocknen in unserer Macht steht.
IX
9. Station: Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz
Das hier ist der Anfang vom Ende.
Aus dem Sog von Gewalt und Tod gibt es kein Entkommen.
Dieser Weg am Ende aller Wege –
auch er muss bis zum Ende gegangen sein.
In der Tiefe der Ausweglosigkeit
kommt Gott selbst zu Fall auf unsren Menschenwegen.
Und ... steht wieder auf.
X
10. Station: Jesus wird seiner Kleider beraubt (Joh 19,23-24)
Nichts von dem,
was hier geschieht, was einst geschah und noch geschehen wird,
wird je vergessen.
Die Würde, die sie Ihm zu nehmen trachten,
die Würde aller Bloßgestellten
bleibt doch bei Gott geborgen: für immer heil und unversehrt.
XI
11. Station: Jesus wird ans Kreuz genagelt (Lk 23,33f.)
"Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun..."2
Wollen wir es wissen, was wir tun? Oder wissen wir – und tun es doch?
Ans Kreuz gebunden, sprengt Er unsere Fesseln
aus Ohnmacht, Schuld und Unvermögen,
aus Bosheit, Trotz und falscher Macht.
Festgenagelt bleibt Er frei: „Vater, vergib!“
XII
12. Station: Jesus stirbt am Kreuz (Lk 23,44-46)
Erdrückt, zerbrochen, todesmatt:
'Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.'"3
Blindes Vertrauen über Sicht- und Sagbares hinaus:
In Vater-, in Mutterhänden bleibt geborgen alles Leben, aller Tod.
Trotzdem glauben. Das Dunkel nicht fürchten.
In Gottes Hände mein Vertrauen setzen.
XIII
13. Station: Der Leichnam Jesu wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt
So kehrt Er zurück zu ihr. Noch einmal nur, für kurze Zeit.
Menschsein heißt Abschied nehmen
von Dingen, Menschen, Orten; von Träumen und von Ungelebtem.
Die Zukunft, die wir allzu oft für nicht mehr möglich halten –
sie liegt allein in Gottes Hand.
14. Station:
Jesus wird ins Grab gelegt (Mk 15,46)
Das Grab als Ende aller Wege. Der Tod hat stets das letzte Wort.
Doch einmal, erstmals wird ihm widersprochen –
die Liebe bahnt sich eine Spur aus Licht,
die aus dem Tod ins Leben führt:
„Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?"4
Im Grab hält es das Leben nicht.
