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50 Jahre House Lioba

Eine lange Zeit... Fröhliche Gäste Die Gemeinschaft Abendlob in der Kapelle

News vom: 06.10.2018

Am 29.09. feierte das German Center "House Lioba" in London sein 50jähriges Jubiläum. Maria Lohre, Leiterin, schreibt darüber:

"Jubiläumsfeiern sollten immer den doppelten Aspekt haben, den ich gern umschreiben möchte mit dem Wort: „Blick zurück nach vorn!" In unserer Einladung, die wir an Nachbarn, Freunde, Bekannte und verschiedene geistliche Gemeinschaften geschickt hatten, hieß es dazu:

Das Säkular-Institut Sankt Bonifatius feiert in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum: 1968 kamen Frauen des Instituts aus Deutschland nach England, um in London ‚House Lioba' zu übernehmen, ein Wohnheim mit Au-pair-Vermittlung, Beratung und Begleitung junger deutschsprachiger Frauen.
In Freude und Dankbarkeit blicken wir auf die vergangenen 50 Jahre zurück. Das Jubiläumsfest findet statt am Samstag, dem 29. September 2018.

Bei der offiziellen Begrüßung der Gäste konnte ich am Samstagnachmittag in einem kurzen Rückblick auf die Geschichte von „House Lioba“ eingehen, die nicht erst vor 50 Jahren begonnen hat. Die Anfänge gehen auf die Nachkriegszeit zurück, als Frau Cäcilia Tilgner (später Generalsekretärin des Verbandes der Mädchensozialarbeit) nach dem 2. Weltkrieg zunächst als Fürsorgerin in Rochdale in der Nähe von Manchester tätig war. Dort galt ihre Sorge den zahlreichen deutschen und österreichischen Frauen, die vor allem in der Textilindustrie arbeiteten. 1950 zog Frau Tilgner nach London, wo sie ihre Arbeit   in „House Lioba“ in der Exeter Road N° 40 fortsetzte. Die Besitzer dieses Hauses, das Ehepaar Maier-Hultschin, hatten dem damaligen „Mädchenschutzverein“ (später: IN VIA Deutscher Verband Katholischer Mädchensozialarbeit) das Haus zur Verfügung gestellt. In London wurde es bekannt als „Catholic German Social Centre“, das im Laufe der Jahre zahlreiche Aktivitäten entfaltete: Wohnheim für junge Frauen, Anlaufstelle für Au-pair-Bewerberinnen und englische Gastfamilien, Treffpunkt für die mehr und mehr anwachsende Zahl der Au-pairs und anderer, die den Austausch mit Gleichgesinnten suchten oder einfach das Bedürfnis hatten, einfach mal vorbeizuschauen und zu erzählen, wovon das Herz oft so voll war. Neben der gastfreundlichen, offenen Atmosphäre des Hauses war vor allem das angebotene Kulturprogramm sehr geschätzt mit seiner großen Zahl an Ausflügen und den unterschiedlichen kulturellen Angeboten. 2006 hat der IN VIA Verband das Haus in der Exeter Road N° 40 verkauft und die Au-pair-Vermittlung an den YMCA übergeben, für den ein Mitglied heute arbeitet.

Dank des Weitblicks von Pater Cyprian, der 1978 das zum Verkauf stehende Nachbarhaus erwarb, konnten wir „House Lioba“ erhalten, zwar nicht mehr in seiner bisherigen Form, sondern etwas „reduziert“, doch nicht minder begehrenswert wie vor 50 Jahren. Als Wohnheim für junge Frauen ist es äußerst gefragt und wird von Mund zu Mund sozusagen „weitergereicht“.

Was den „Blick nach vorn“ betrifft, so müssen wir uns immer wieder fragen, wie dieser auszusehen hat in einem Wohnheim mit 12 jungen Frauen. Zu den Unterlagen, die für ein Wohnen in „House Lioba“ eingereicht werden müssen, gehört auch die Bitte um ein Motivationsschreiben. Ich zitiere aus zwei Briefen, aus denen ersichtlich wird, mit welchen Erwartungen die Bewohnerinnen zu uns kommen. Franziska F. schreibt:

„Ich schätze es sehr, dass Ihre Gemeinschaft jungen Studentinnen dieses Angebot bereitet und ihnen damit in vielerlei Hinsicht das Leben und Ankommen in London leichter und familiärer gestaltet. Diese verschiedenen Kontaktpunkte mit der Kirche waren für mich immer eine Gelegenheit zur Reflexion und zum Austausch mit Menschen unterschiedlicher Lebensphasen und Vorstellungen. Vor meinem Umzug nach Münster habe ich als aktives Mitglied meiner Gemeinde die vielen Austauschmöglichkeiten dort sehr genossen. … Ich freue mich daher besonders auf den Austausch mit meinen Mitbewohnerinnen und mit Ihnen…“

Julia K., Medizinstudentin, die ab Januar 2019 ein Praktikum am Parkinson’s Centre am Kings College in der Neurologie machen wird, schreibt:

„In Vorfreude auf das Praktikum erfuhr ich von einer guten Freundin und ihrer Schwester von dem Haus Lioba. … Die Idee des Hauses vereint für mich sehr gut den Gedanken, eine Gemeinschaft zu finden, neue Kontakte zu knüpfen und in dieser Zeit geborgen wohnen zu können und sich auf Anhieb ein kleines bisschen zu Hause zu fühlen. Ich verbinde die Vorstellung mit unserer Arbeit des BVMD (Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland, die internationale Medizinstudenten empfängt, Aktivitäten anbietet und hilft, eine Famulatur zu absolvieren) und sehe in dem Haus die Möglichkeit, selbst direkt in einer neuen Umgebung Anschluss zu finden“.

Es war nur zu selbstverständlich, dass die Bewohnerinnen von „House Lioba" unsere wichtigsten Gäste beim Jubiläum waren und diesen Nachmittag auch in vollen Zügen genossen haben. Neben strahlendem Sonnenschein gab es Essen und Trinken reichlich; dafür hatten eigens angereiste Mitglieder der Gemeinschaft gesorgt. Die stilvoll angerichteten Kuchen, Schnittchen und Getränke waren Augenweide und Gaumenfreude zugleich, an denen alle sich laben konnten.

Höhepunkt und krönender Abschluss des Festes war die Vesper, die wir mit den Gästen in unserer Kapelle gefeiert haben. In wunderbarer Harmonie erklangen die Hymnen und Psalmen in englischer Sprache,  von der Gitarre begleitet. Auch der äußere Rahmen hätte nicht passender sein können im Schein der Kerzen und Blumen, die mit den bunten Glasfenstern wetteiferten. Frohe Gesichter und erfüllte Herzen waren sicher der schönste Dank an IHN, der uns diesen Tag hat erleben lassen und den wir im Schlusslied am Ende dieses Jubiläumsfestes preisen konnten: „Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen und wird vom Dunkel überstrahlt. Am Morgen hast du Lob empfangen. Zu dir steigt unser Nachtgebet!"


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