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'Capacitar' mit einer Kinder- und Jugendgruppe

„Capacitar“

„Sich selbst und unsere Gesellschaft heilen“

Was diese Kinderaugen wohl schon an Schrecklichem gesehen haben? Das 'Gründungsteam' von Capacitar Nord-Kivu, mit der Capacitar-Ausbilderin für Afrika, Dr. Genevieve von Waesberghe Schülerprojekt Capacitar Ruchuru Lehrerfortbildung in einer Inlandspfarrei Fortbildung für Ordensschwestern Abschluss des ersten Animatorenkurses Das Landwirtschaftsprojekt gibt den Vertriebenen wieder ein Stück Eigenverantwortung zurück und damit die Möglichkeit, ihr Schicksal aktiv zu gestalten Ehemalige KindersoldatInnen werden zu Capacitar-Multiplikatoren in den Schulen ihrer Umgebung Im Ernährungszentrum Birere machen die Kinder bei den Übungen begeistert mit. Capacitar kann wirklich Jede(r)!

Die aktuelle Lebenssituation in der Region Nord-Kivu / DR Kongo im Allgemeinen und insbesondere in der Stadt Goma ist gekennzeichnet durch einen sehr hohes Stressniveau sowie einer großen Gewaltbereitschaft aller Bevölkerungsschichten, verursacht durch die Kriege und die damit verbundenen Grausamkeiten der letzten zwei Jahrzehnte. Der einfache und unkomplizierte Zugang zu Waffen führt dazu, dass auch persönliche Konflikte durch exzessive Gewaltakte ‚gelöst‘ werden – bis hin zu Mordversuchen durch Jugendliche und Selbstjustiz durch verzweifelte, undisziplinierte Bürger. Es gibt praktisch keine Gerichtsbarkeit mehr und die politischen Verwaltungsbehörden sind mehr oder weniger funktionsunfähig, was exzessive Korruption auf allen Ebenen der Gesellschaft und eine große Unsicherheitslage in der Region sowie das Bandenwesen fördert.

Die Bewohner der Stadt Goma wie auch die unzähligen Flüchtlinge aus dem Landesinneren sind zu einem großen Prozentsatz nicht mehr sie selbst. Dies gilt insbesondere für die Jugendlichen, die mit vielen inneren Verwundungen leben und überleben müssen oder schon straffällig geworden sind und ohne Perspektive im Gefängnis sitzen.

Wege aus der Krise

Diese Analyse unseres Kontextes hat uns dazu herausgefordert, nach Wegen zu suchen, wie wir diesen Menschen helfen können. Dabei sind wir auf den Therapieansatz von ‚Capacitar‘ gestoßen: ein nationales und internationales Solidaritäts-Netzwerk mit Hauptsitz in Kalifornien/USA, gegründet als gemeinnützige Organisation im Jahr 1988.

Capacitar wendet sich besonders an Einzelpersonen, Familien und lokale Gemeinschaften, die beeinträchtigt werden von Armut, Gewalt und Traumata. Es will ihnen Möglichkeiten anbieten, sich selbst zu heilen, ihr Leben und auch das der jeweiligen Gesellschaft zu verändern. In den Fortbildungen von Capacitar erlernen die TeilnehmerInnen einfache, ganzheitliche Heilpraktiken, die effizient und ungefährlich sind und gesundheitliche wie auch psychische Heilungsprozesse fördern.

Erste Anfänge in Goma

Gerade in der Diözese Goma mit ihren mehr als 500.000 Flüchtlingen im Diözesangebiet sind die Probleme besonders deutlich sichtbar. Deshalb haben wir schon 2013 begonnen, diesen integralen Therapieansatz von Capacitar in der Region bekannt zu machen und in vielen Veranstaltungen bestimmten Moderatorengruppen (Führungspersonen in den Flüchtlingscamps, Mitarbeiter lokaler Hilfsorganisationen, Psychologen, Krankenpfleger, Sozialarbeiter, Lehrer, Priester, Schwestern, Mitarbeiter im Pastoraldienst etc.) zu vermitteln, damit diese die Methode einerseits für sich selber nutzen und die praktischen Übungen ebenso in ihren Arbeitsbereichen anwenden können.

‚Capacitar' breitet sich aus

Neben der Implementierung von Capacitar in vielen Schulen der Stadt Goma und des Umlands ist es uns seit Juni 2018 ein besonderes Anliegen, die Flüchtlinge im Camp MINOVA in der Pfarrei Bobandana zu begleiten. Neben der Formation von Führungspersonen im Camp und den Übungen zur Detraumatisierung wurde ein kleines Agrarprojekt ins Leben gerufen, um den Familien die Möglichkeit zu geben, eigenständig gegen das Problem der Unterernährung anzugehen. Zugleich hilft das Bearbeiten des Landes v.a. den Frauen und Kindern, mit dem ‚Entwurzelt-Sein' in ihrer Lebenssituation umzugehen und neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
In der zweiten Phase des Projekts nimmt Capacitar vor allem die mehr als 2000 SchülerInnen und die Lehrer der zwei Grundschulen in MINOVA in den Blick, so dass die Kinder selber, die mit Capacitar vertraut geworden sind, bei ihren Mitschülern zu ‚Lehrern' werden können.

Außer in MINOVA konnten Formatoren des Projekts Capacitar auch im Gebiet von Masisi in einem Zentrum für ehemalige Kindersoldaten implementieren, für die es besonders schwierig ist, ihre Würde, ein Gefühl von Sicherheit und ihr inneres Gleichgewicht wiederzugewinnen, die Voraussetzung für eine erfolgreiche Reintegration in ein normales Leben sind.

Auch in die Arbeit unseres Ernährungszentrums im Armenviertel von Birere wurden die Maßnahmen von ‚Capacitar' schon lange integriert und helfen den dort betreuten milieugeschädigten und lernbehinderten Kindern des Viertels, Spannungen und Traumata abzubauen und mehr Energie zu entwickeln bzw. sich besser zu konzentrieren, was sich u.a. in einer verbesserten Lernleistung im schulischen Bereich niederschlägt. Auch mit den Aidskranken und dem Personal des Zentrums sowie den Krankenbegleitern haben wir gearbeitet und die Beobachtungen reflektiert, die sie in der Anwendung von Capacitar gemacht haben.


Die Handlungsstrategie des Projektes

Seit Mai 2016 ist „Capacitar Nord-Kivu" als offizielles Programm zur Detraumatisierung in die Struktur der Caritas Goma integriert.
Dabei liegt der Arbeitsschwerpunkt auf folgenden Bereichen:

  • „Schnuppertage" für verschiedenste Bevölkerungsgruppen, um Capacitar bekannt zu machen und Motivation für die eigentliche Fortbildung aufzubauen
  • Vermittlung von Kenntnissen über die Auswirkungen von Streß, Traumata und Posttraumatisierung sowie Selbstheilungsmöglichkeiten durch
    Körperliche Übungen
    Akupressur zur Schmerzbehandlung und Stressbewältigung sowie die Stärkung der eigenen Resilienzfähigkeit
    Atemübungen und Visualisierung
    Klopfmassage zum Freisetzen von Emotionen
  • Ausbildungsangebote für MultiplikatorInnen bzw. AnimatorInnen und weitere Ausbilder von Capacitar
  • Praktika der auszubildenden AnimatorInnen in verschiedensten Organisationen der Stadt Goma

Hilfe zur Selbsthilfe

'Capacitar' bietet durch seinen niederschwelligen Ansatz die Chance, breite Bevölkerungsschichten zu erreichen und durch den persönlichen Heilungsprozess, auf den sich die Einzelnen einlassen, zugleich den gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Kontext ihres Lebens zu verändern – damit die Menschen in der Region Nord-Kivu nicht für immer durch Traumata, Stress, Armut, Depression und Resignation entmenschlicht und zerstört werden.
Deshalb – helfen Sie diesen Menschen, sich selbst zu helfen: durch Ihre Spende, die den Menschen in Nord-Kivu zugutekommt!