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Ein Wandgemälde auf den Straßen Gomas weist auf die Folge der Verbrechen hin: "Gefängnis"

Hilfe für die Gefangenen in Goma

Es ist ein Bild des Elends, das sich bietet: Gebaut für 150 Gefangene, hat das Zentralgefängnis von Goma derzeit mehr als 2000 Insassen – Tendenz: steigend! Daneben gibt es noch ein Frauengefängnis und eines für Kinder und Jugendliche. Alle leben unter unglaublich primitiven Bedingungen: Die hygienischen Verhältnisse sind katastrophal, die Lebensmittelversorgung noch schlechter. An manchen Tagen gibt es kein Wasser; nicht nur im Gefängnis, sondern in ganz Goma. Dann ist die einzige Wasserquelle der benachbarte Kivusee – und prompt brechen unter den Gefangenen choleraartige Zustände aus, denn es sind viel zu viele auf zu engem Raum, und meist sind auch die Klärgruben bis zum Rand voll.

Epidemien, Hunger und Elend

Krankheiten verbreiten sich im Gefängnis rasend schnell, denn auch das Krankenquartier ist hoffnungslos überbelegt. Margarita Kathrin M., Mitglied des Instituts und seit Anfang 2015 im Gefängnis als Krankenschwester tätig, schreibt: "Im Krankenzimmer husten die Tuberkulosekranken (manche wiegen nur noch 30 kg) um die Wette, andere mit Durchfall bekommen Infusionen, und jedes der drei Betten ist drei- oder vierfach belegt. TBC-und Aidsmedikamente, Infusionen und Laborservice gibt es umsonst, aber andere Medikamente können wir nur mit Spendengeldern kaufen; kein Wunder, dass fast immer etwas fehlt. Die vielen Schusswunden wurden mit Salz behandelt, auch um das Ungeziefer abzuschrecken. Verbandsmaterial und Handschuhe gab es nur begrenzt, Gott sei Dank konnten wir mit Spenden ausreichend Material einkaufen ... Es vergeht keine Woche, ohne dass Insassen versuchen, die Mauer zu erklimmen und durch den Stacheldraht zu entkommen. Bis jetzt hat es noch keiner geschafft, meist werden sie blutüberströmt zurückgebracht. Wir können nur die Wunden versorgen und sie mit einer Extraration an Essen etwas trösten..."

Kein Wunder, dass viele aus blanker Verzweiflung zu fliehen versuchen. Die ‚Tagesration‘besteht aus einem (!) kleinen Becher Bohnen und Mais. An manchen Tagen gibt es gar nichts – weil keine Lebensmittel da sind, oder das Brennholz fehlt, um die karge Mahlzeit zuzubereiten. Wer von weit her kommt und keine Verwandten in der Stadt hat, hungert noch öfter als die anderen. Viele müssen sich Löffel aus Plastikflaschen schneiden und essen aus einer (schmutzigen …) Plastiktüte.

Bei den Frauen und Jugendlichen ist die Situation etwas besser, die minderjährigen Jungen bekommen Schulunterricht und nähen Schulkleidung für Kinder von außerhalb. Die Mädchen allerdings haben keinen Zugang zu solchen ‚Privilegien‘ und langweilen sich die meiste Zeit. Immerhin gibt es wenigstens ab und zu einmal Lesestoff für die Gefangenen, Alphabetisierungskurse haben stattgefunden, und es gibt lebendige Gebetsgruppen für die verschiedenen Konfessionen.

Dank des Engagements von Margarita Kathrin M. und dem Team im Gefängnis kann nun immerhin mit Hilfe von Wohltätern für die ca. 130 Unterernährten und Kranken die magere Tagesration mit einer Schüssel nahrhaften Maisbrei und Gemüse ergänzt werden. Auch eine erste Verbesserung der sanitären Anlagen ist bereits begonnen. An den Sonntagen bringen die katholischen Pfarreien reihum gekochtes Essen für die Gefangenen, auch Seife und Waschpulver.

Endstation Gefängnis?!

Die Perspektivlosigkeit aber bleibt: Die Entlassungen stehen in keinem Verhältnis zu den Neuaufnahmen, und die Chance auf ein ordentliches Gerichtsverfahren tendiert bei den gegenwärtigen Zuständen in Goma gegen Null. Die Situation im Gefängnis spiegelt die Situation der Stadt und des ganzen Umlandes: Im Gefängnis sitzen neben ‚großen Fischen‘ aus der ganzen kriegsgeschüttelten Region auch viele ‚kleine Leute‘:
der (junge) Mann, vom Feld weg verhaftet, wegen "Verdacht der Zugehörigkeit zu einer bewaffneten Gruppe" (davon gibt es unzählige, und Beweise braucht es keine);
die 11-jährige Taschendiebin (inhaftiert, bis ihre Eltern das gestohlene Geld erstatten und sie abholen können);
aber auch Schwerverbrecher und Bandenbosse …

Schuldig oder unschuldig leiden alle unter den menschenunwürdigen Bedingungen ihrer Haft und sind dringend auf Hilfe angewiesen. Wenn auch Sie helfen möchten, die Lebensbedingungen dieser Menschen zu erleichtern, können Sie dies über das Spendenkonto unserer Gemeinschaft tun, Stichwort "Gefängnis-Krankenversorgung".